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Der Mittelstand und das digital Marketing

2014 hat sich das digital Marketing enorm weiter entwickelt. Dieser Trend wird sich in 2015 fortsetzen. Allerdings können viele Marketing-Anstrengungen im Internet aufgrund der damit verbundenen Kosten und benötigten Ressourcen nur von den großen Firmen bewerkstelligt werden.

Kleinere Firmen, d.h. Einmann-Betriebe, Freiberufler, Handwerks- und Fachbetriebe und kleinere Mittelständler haben es immer schwerer, sich durchzusetzen oder bemerkbar zu machen.

Google ist die Macht im digital Marketing

Man muss sich keine Illusionen machen, Google ist die treibende Macht, die vorgibt, wie man sich im Internet zu präsentieren hat, will man Beachtung finden. Das betrifft sowohl die einzusetzende Technik als auch die Inhalte. Denn eine Internetseite muss sauber programmiert, „responsive“ und mit Sicherheitszertifikat versehen (https) sein, um nur drei Punkte zu nennen, gleichzeitig die Inhalte natürlich informativ, neu und aktuell. Ach ja, und viel Social Media gehört auch dazu.

Wer nicht mitmacht, ist raus

Für mich ist das ein katastrophaler Trend, denn das Internet wird durch diese Anforderungen zugemüllt mit unwichtigen und redundanten Informationen. So viel Neues und Innovatives gibt es nicht zu berichten, als dass jede Firma neue Inhalte produzieren könnte. Als Folge werden die gleichen Inhalte immer und immer wieder reproduziert und umformuliert. Und wieder sind die Großen die Gewinner, denn wer bereits viele „Follower“ hat, ist in Googles Augen wichtig und steht ganz weit oben. Das führt zu weiteren Klicks, die die Position erneut stärken. Es verhält sich wie ein selbsterfüllendes Orakel…

Handwerker wollen mit der Hand werken

Zweitens kommt hinzu, dass die Profession der meisten Handwerker nicht das Jonglieren und Ausformulieren von neuen Texten und die Pflege von Online-Inhalten ist. Für mich vernachlässigt Google hier ganz gezielt immer mehr den Bedarf, dass kleine Betriebe einfach nur eine Image-Seite für Ihre Kunden ins Netz stellen möchten, um sich diesen mit ihren Dienstleistungen und Kontaktadressen als erste Informationsquelle zu präsentieren. Vor ein paar Jahren war das noch möglich und ausreichend.

Mir scheint, Google will derartige Seiten regelrecht abschießen. Betriebe haben sich als Image-Seite über die Googles eigene Google +1 Plattform zu präsentieren, die (noch) kostenlos ist. Wer das übrigens nicht macht, wird auch bei der regionalen Suche kaum auf der ersten Seite erscheinen.

Selbstredend kann man natürlich seine Position deutlich verbessern, wenn man bereit ist, für Klicks zu zahlen. Dafür stellt Google die Plattform Google Adwords zur Verfügung. Das kostet mittlerweile aber richtig viel Geld, was uns wieder zu den Großen der jeweiligen Branchen führt. Denn nur die können es sich leisten…

Googles verändert Verhaltensweisen

Erschreckender Weise kommt noch eine zweite Dimension ins Spiel: Google beeinflusst und verändert nicht nur den Anbietermarkt, sondern auch den Konsumenten-Markt und das Verbraucherverhalten. Denn Kunden sind es mittlerweile gewohnt, Informationen und Preise aus dem Internet abzufragen, bevor es zu einer Kaufentscheidung kommt.

Sie machen sich dabei keine Gedanken mehr, welche Ergebnisse Google ihnen vorsetzt (und dass die Ergebnisse keinesfalls neutral und die besten im Netz sind), noch dass es neben den 20 Ergebnissen der ersten Seite noch 3 Mio weitere Such-Ergebnisse auf den Folgeseiten gibt.

Googles politischer Einfluss

Auch die Bundesregierung scheint mit dieser Thematik (wie mit anderen Themen des Internets) mal wieder vollkommen überfordert zu sein und die wirkliche Tragweite zu ignorieren. Google ist eine (amerikanische) Macht, die ihre Herrschaft über das Internet erbarmungslos für sich und die eigene Nation ausnutzt. Und wo Google nicht besetzte Marktanteile hinterlässt, stoßen andere amerikanische Giganten hinein (z.B. Yahoo, Facebook) .

Google lenkt das Verbraucherverhalten, nutzt Daten und Informationen und spielt diese bekannter Maßen der eigenen Wirtschaft zu (Stichwort: Wirtschaftsspionage). Dazu muss man kein Verschwörungstheoretiker sein.

… und die Auswirkungen

Die eingangs beschriebenen Strukturen werden von vielen Mittelständlern und Einzelhändlern ignoriert. Sie können (und manchmal wollen) dem Internet und den Trends nicht folgen. Man mag den Vergleich von dem Mann, der vom Hochhaus springt, heranziehen, der beim Passieren des 5. Stockwerks freudig denkt: „Siehste, bisher ist ja alles gut gegangen…“

Das Ergebnis kann man in vielen Städten und Gemeinden ablesen:

Wer sich dem Internet verweigert, hat auf mittlere Sicht eine deutlich geringere Überlebenschance. Das zeigt sich bereits deutlich, denn die traditionellen Einzelhändler und kleinere Mittelständler sterben aus, wie die vielen Leerstände eindrucksvoll zeigen. Mit dem Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft als Arbeitgeber und als Quelle der Steuern.

Das ist ein Veränderungsprozess, der von Google begünstigt wird. Es erfordert nicht viel Fantasie herzuleiten, wie Google & Co damit sowohl direkt als auch indirekt Einfluss nimmt auf die Arbeitswelt, unsere Sozialsysteme und auch auf unsere Infrastruktur bis hin auf Kommunalebene.

Kein Ausweg?

Je komplexer derartige Systeme werden, desto weniger scheint eine Demokratie in der Lage zu sein, Lösungsmodelle hervorbringen.

Dabei wäre der erste Schritt eigentlich ganz einfach: Anstatt sich mit den deutschen Großunternehmen und der Industrie zu profilieren, sollte politisch gefördert ein nationaler (oder europäischer) Gegenpool zu Google und Co geschaffen werden, der das Internet wieder an seinen Ursprung zurückführt: Eine neutrale Plattform zur Beschaffung von Informationen für jedermann ohne finanzielles Interesse und Zensur.

Hiermit soll der philosophische Exkurs enden. Denn die vielen kleinen Mittelständler und Freiberufler können an dieser Entwicklung direkt keinen Einfluss nehmen. Was bleibt Ihnen also in einer von Google bestimmten Welt des digitalen Marketings?

Das können Sie in Teil 2 lesen „Digital Marketing – Ausblick

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